Renaturierung
Um den abgetorften Flächen im Moor die Möglichkeit der Renaturierung zu geben, müssen durch Wiedervernässung einige wichtige Schritte eingeleitet werden, die der Natur ermöglichen das Gebiet in einem langen Prozeß wieder zu einem natürlichen Hochmoor aufzubauen. Durch den menschlichen Eingriff werden Bedingungen geschaffen, die den im Moor ansässigen Pflanzen und für die Entstehung von neuen Moorflächen nötig sind, die Möglichkeit der Ansiedlung und Ausbreitung zu geben. Hier sind einige wichtige Abschnitte für die Renaturierung über lange Zeiträume aufgezeigt.
Der Bult-Schlenken-Komplex.
Bult-Schlenken-Komplexe, häufig auch als Stufenkomplex bezeichnet, sind spezielle Oberflächenformen in den zentralen Bereichen von Regenmooren (Hochmoore).



Erhöhte Kuppen aus Torf und Torfmoosen (Sphagnen) oder Braunmoosen (Amblystegiaceae) - sogenannte Bulte - bilden zusammen mit nassen, teils wassergefüllten Vertiefungen - sogenannten Schlenken - ein kennzeichnendes Mikrorelief. Die verschiedenen Zonen tragen in Abhängigkeit vom Moorwasserstand und den Nährstoffverhältnissen sowie den verschiedenen Standortansprüchen der Pflanzenarten unterschiedliche Pflanzenformationen auf kleinstem Raum.
Torf ist ein organisches Sediment, das in Mooren entsteht. Im getrockneten Zustand ist er brennbar. Er bildet sich aus der Ansammlung nicht oder nur unvollständig zersetzter pflanzlicher Substanz und stellt die erste Stufe der Inkohlung dar. Torf besitzt eine große wirtschaftliche Bedeutung und wird deshalb an zahlreichen Stellen abgebaut.

Die Torfmoose (Sphagnum), auch als Bleichmoose bezeichnet, sind eine Gattung der Moose und gehören zu den Laubmoosen im weiteren Sinn. Es existieren weltweit 150 bis 200 Arten. Die meisten leben in nährstoffarmen, sauren Habitaten. In Deutschland kommen etwa 35 verschiedene Arten vor. Durch die Zerstörung der Lebensräume der Torfmoose, überwiegend Moore und Feuchtheiden, sind die Moose stark gefährdet und zum Teil in drastischem Rückgang begriffen.



Torfmoose sind wechselfeuchte Pflanzen, die von entscheidender Bedeutung für die Entstehung von Zwischen- und Hochmooren sind. Sie sind hervorragend an die extremen Bedingungen dieser Standorte angepasst. Das Torfmoos besitzt folgende Konkurrenzvorteile:
Torfmoose können selbst in geringsten Konzentrationen vorkommende Nährstoffe aufnehmen. Im Gegenzug geben sie Wasserstoffionen an die Umgebung ab, womit sie sich selbst ein saures Milieu schaffen, das Konkurrenten im Wuchs behindert.
Torfmoose können praktisch unbegrenzt wachsen. Während sich die Pflanze nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis wegen Luftabschluss ab; aus dem sich unvollständig zersetzenden Gewebe entsteht Torf.
Torfmoose reduzieren ihre Stoffwechsel-Vorgänge in Trockenzeiten auf ein Minimum. Kommt es dann zu Niederschlägen, sind diese Pflanzen in der Lage in ihren großen Speicherzellen (Hyalinzellen) mehr als das 30fache ihrer Trockenmasse an Wasser zu speichern. Die Zellen der Pflanze verhalten sich wie Quellkörper.
Verbreitung
Bult-Schlenken-Komplexe kommen in Regen- und Zwischenmooren vor. Ihr Vorkommen deckt sich weitgehend mit der natürlichen Verbreitung dieser Ökosysteme.
Standortmerkmale
In Regenmooren sind die Bulte jene Standorte, welche am trockensten sind. Je nach Entwicklung und Zustand des Moores existieren zerfallende Bulte sowohl in intakten als auch in entwässerten Hochmooren. In niederschlagsarmen Perioden im Hochsommer können die regenwassergenährten Schlenken austrocknen und reduzieren in diesem Bereich das Wachstum der Torfmoose. Langsamer wachsende Bulttorfmoose können so wieder aufholen. Die Bult-Schlenken-Komplexe sind in kontinentaleren Regionen stärker ausgeprägt. In ozeanischen Regenmoorgebieten ist das Relief meist nur flachwellig.
In Zwischenmooren sind die Schlenken grundwasserernährt, während die höchsten Erhebungen der Bulte bereits aus dem Grundwassereinfluss herausgewachsen sind. Das Nebeneinander der trockeneren Bulte und der nassen Schlenken führt in Zwischenmooren meist zu einem großen Artenreichtum.
Gefährdung und Schutz
Die Stufenkomplexe sind sehr stark durch kleinste Eingriffe in den Wasserhaushalt gefährdet. Sie sind besonders empfindlich gegen Trittbelastungen und -schäden. Fußpfade sind meist nach Jahren noch sichtbar.
Binsen
Die Binsen (Juncus) sind die namengebende Gattung der Binsengewächse (Juncaceae), die mit weltweit etwa 300 Arten, in Deutschland 29 Arten, verbreitet ist. Kennzeichnendes Merkmal dieser ausdauernden, krautigen Pflanzen sind die starren, rundlichen und borstlich zugespitzten Blattspreiten. Diese sind meist hohl oder mit einem schwammartigen, sogenannten Sternparenchym (Durchlüftungsgewebe, Aerenchym) erfüllt, welcher der Versorgung mit Sauerstoff dient.

Seggen
Seggen (Carex) sind eine Gattung aus der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae) mit bis zu etwa 2000 Arten, die meist in den kalten und klimatisch gemäßigten Zonen vorkommen. Neue molekularbiologische Untersuchungen stellen die Riedgräser und auch die Binsengewächse (vgl. auch Sauergräser) zu der Ordnung der Süßgrasartigen (Poales). Bisher wurden die Riedgräser als einzige Familie der Ordnung der Sauergrasartigen (Cyperales) klassifiziert.



Wasserschlauch
Die Pflanze Gewöhnlicher Wasserschlauch (Utricularia vulgaris) ist eine aquatische Art aus der Gattung der Wasserschläuche in der Sektion Utricularia.



Die frei flottierende Pflanze kann über 1 m lange Sprossachsen haben. Die segmentierten Blätter sind fein verzweigt. Die Wasserblätter sind ein bis acht Zentimeter lang, in feine Zipfel zerteilt und mit zahlreichen blasenförmigen Anhängseln versehen.
An aufrechten Blütenstielen ragen die gelben Blüten aus dem Wasser heraus. Sie bilden dabei lockere, vier- bis fünfzehnblütige Trauben. Die einzelnen Blüten sind zweilippig, goldgelb und rührig-glockig und enden in einem gekrümmten Sporn. Die Blüten erscheinen von April bis August. Sie werden vor allem von Schwebfliegen bestäubt.
Schwingrasen
Unter bestimmten Bedingungen kann es zur Bildung von Schwingrasen kommen.
Ein Schwingrasen ist eine über freiem Wasser schwimmende Pflanzendecke aus Moosen und anderen, besonders ausläuferbildenden, Pflanzen, die vom Ufer aus auf der Wasseroberfläche in ein Gewässer hinauswächst.



In nährstoffarmen bis mäßig nährstoffreichen, sauren Gewässern werden Schwingrasen aus Torfmoosen (Sphagnum cuspidatum, Sphagnum recurvum) oder Braunmoosen (Scorpidium scorpioides) gebildet. In Moorgewässern bilden sich Torfmoos-Schwingrasen bei Wasserspiegelsenkungen und Nährstoffanreicherung. Unterhalb der Schwingrasen wird Torf gebildet, der langsam nach unten sinkt und nach und nach das Gewässer auffüllt.
Renaturierung



Für die Renaturierung der Moorflächen werden in Handarbeit kleine Deiche aus Torf aufgeworfen. Die dann gefluteten Teilflächen bieten den typischen Moorpflanzen wieder neue Ansiedlungsmöglichkeiten.